Die meisten Verkäufer geben nach zwei Versuchen auf – und verschenken damit den Großteil ihrer möglichen Termine. Die kurze Antwort, warum: Im B2B entstehen die meisten Reaktionen erst nach mehreren Kontaktpunkten, oft ab dem vierten oder fünften. Eine Sales Cadence ist die geplante Antwort darauf: eine feste Abfolge von Touchpoints über mehrere Kanäle und Tage, die aus zufälligem Nachfassen ein System macht. Dieser Artikel zeigt, wie Sie eine wirksame Sales Cadence aufbauen.
Eine Sales Cadence ist eine vordefinierte, terminierte Abfolge von Kontaktversuchen über verschiedene Kanäle – Telefon, E-Mail, LinkedIn – mit dem Ziel, einen Interessenten systematisch und mit der richtigen Frequenz zu erreichen, statt auf gut Glück nachzufassen.
— Die Vertriebswikinger Glossar
Warum die einzelne Ansprache selten reicht
Entscheider sind beschäftigt, nicht desinteressiert. Ein erster, unbeantworteter Kontakt bedeutet meist „gerade kein guter Moment“, nicht „nein“. Wer nach dem ersten oder zweiten Versuch aufhört, interpretiert Schweigen als Ablehnung – und verliert genau die Kontakte, die beim dritten oder vierten Touchpoint reagiert hätten. Eine Sales Cadence sorgt dafür, dass kein Lead aus Nachlässigkeit verloren geht, und macht Outbound planbar und messbar.
Eine Sales Cadence aufbauen: die Bausteine
| Element | Frage |
|---|---|
| Kanäle | Welche Kanäle kombinieren Sie? (Telefon, E-Mail, LinkedIn) |
| Anzahl Touchpoints | Wie viele Kontaktversuche insgesamt? |
| Frequenz & Abstände | In welchen Zeitabständen? |
| Dauer | Über welchen Gesamtzeitraum? |
| Inhalt je Touchpoint | Welcher Aufhänger, welcher Mehrwert? |
| Abschluss | Wie endet die Sequenz (Break-up-Kontakt)? |
Beispiel-Ablauf einer Multi-Channel-Cadence
Ein bewährtes Muster im Multi-Channel-Vertrieb über rund zwei Wochen:
- Tag 1 – LinkedIn: Vernetzung mit kurzer, kontextbezogener Notiz (kein Pitch) – ein erster Touchpoint, der Sichtbarkeit schafft.
- Tag 2 – E-Mail: Relevanter Aufhänger, ein konkreter Mehrwert, eine weiche Frage.
- Tag 4 – Telefon: Anruf mit Bezug auf die vorherigen Kontakte – der Name ist jetzt bekannt.
- Tag 7 – E-Mail: Neuer Blickwinkel, ein zusätzlicher Nutzen, kein bloßes „Nur noch mal nachfassen“.
- Tag 9 – Telefon: Zweiter Anrufversuch, andere Tageszeit.
- Tag 12 – Break-up: Höfliche Abschlussnachricht, die die Tür offenlässt und oft erstaunlich viele Antworten auslöst.
Die genaue Zahl ist weniger wichtig als das Prinzip: mehrere Kanäle, variierende Aufhänger, klare Abstände, definiertes Ende.
Inhalt schlägt Frequenz
Eine Cadence ist kein Freibrief für stures Nachbohren. Jeder Follow-up braucht einen eigenständigen Grund zu existieren – einen neuen Gedanken, einen anderen Nutzen, einen frischen Aufhänger. Sechsmal dieselbe Nachricht zu schicken ist Belästigung; sechs unterschiedliche, relevante Touchpoints sind Beharrlichkeit. Bei Cold E-Mail wie bei Cold Calling gilt: Relevanz rechtfertigt Wiederholung, Penetranz zerstört sie.
Häufige Fehler beim Cadence-Aufbau
- Zu früh aufgeben. Wer nach zwei Touchpoints stoppt, lässt die Mehrheit der Termine liegen.
- Nur ein Kanal. Eine reine E-Mail-Sequenz verschenkt die Verstärkung durch Telefon und LinkedIn.
- Gleicher Inhalt, wiederholt. Ohne neuen Mehrwert je Touchpoint wird aus Beharrlichkeit Spam.
- Kein definiertes Ende. Endlose Sequenzen verstopfen die Pipeline und nerven – ein sauberer Break-up gehört dazu.
Telefonlastige oder E-Mail-lastige Cadence?
Nicht jede Cadence sieht gleich aus – ihr Schwerpunkt sollte zur Zielgruppe und zum Angebot passen. Bei erklärungsbedürftigen, hochpreisigen Lösungen und klar umrissener Zielgruppe lohnt eine telefonlastige Cadence: mehr Anrufversuche, E-Mail und LinkedIn als Vorbereiter. Das Telefon bringt hier am schnellsten zum Termin, weil es Rückfragen sofort klärt.
Bei großen, breit gestreuten Zielgruppen und standardisierteren Angeboten ist eine E-Mail-lastige Cadence effizienter: skalierbare, personalisierte Sequenzen, ergänzt um gezielte Anrufe bei den Kontakten, die Interesse signalisieren. Die Kunst liegt nicht darin, einen Kanal zu wählen, sondern den Schwerpunkt bewusst zu setzen – und ihn an den Reaktionen auszurichten. Wer merkt, dass E-Mails verpuffen, verschiebt Gewicht auf das Telefon, und umgekehrt.
So messen und optimieren Sie Ihre Cadence
Eine Cadence ist kein Denkmal, sondern ein lernendes System. Messen Sie pro Schritt, was er bringt: An welchem Touchpoint kommen die meisten Antworten? Welcher Aufhänger zieht, welcher verpufft? Welcher Kanal trägt in Ihrer Zielgruppe? Schon wenige Kennzahlen – Antwortquote je Schritt, Termin-Quote je Kanal, die Gesamtzahl der Touchpoints bis zur Reaktion – zeigen, wo die Sequenz hakt.
Optimieren Sie immer nur eine Stellschraube zur Zeit, sonst wissen Sie nicht, was gewirkt hat: einen anderen Betreff, eine zusätzliche Stufe, einen früheren Anruf. Häufig liegt der größte Hebel nicht in mehr Kontakten, sondern in besseren Aufhängern an den bestehenden Touchpoints. Und ein oft übersehener Befund: Der Break-up-Kontakt am Ende der Sequenz löst regelmäßig die meisten Antworten aus – ein Grund mehr, die Cadence nie einfach im Sande verlaufen zu lassen.
Experten-Einschätzung
„Der Unterschied zwischen einem Team, das seine Pipeline füllt, und einem, das es nicht schafft, ist selten Talent – es ist Beharrlichkeit mit System. Eine durchdachte Cadence sorgt dafür, dass kein Lead vergessen wird und jeder Touchpoint einen Grund hat.“
— André Spies, Die Vertriebswikinger
Häufige Fragen zur Sales Cadence
Wie viele Touchpoints sollte eine Sales Cadence haben?
In der Praxis haben sich rund fünf bis acht Touchpoints über mehrere Kanäle und zwei bis drei Wochen bewährt. Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass die Sequenz über den ersten und zweiten Versuch hinausgeht und ein definiertes Ende hat.
Welche Kanäle gehören in eine B2B-Cadence?
Die Kombination aus Telefon, E-Mail und LinkedIn ist am wirksamsten, weil sich die Kanäle gegenseitig verstärken. Ein bekannter Name aus LinkedIn und E-Mail macht den späteren Anruf deutlich erfolgreicher.
Wie oft darf ich nachfassen, ohne zu nerven?
Solange jeder Kontakt einen eigenständigen Mehrwert bietet und die Abstände angemessen sind, ist Beharrlichkeit willkommen. Zur Belästigung wird es erst, wenn dieselbe Botschaft ohne neuen Anlass wiederholt wird.
Zusammenfassung
Eine Sales Cadence verwandelt zufälliges Nachfassen in ein System: mehrere Kanäle, mehrere Touchpoints über klare Zeitabstände, jeder mit eigenem Mehrwert, mit definiertem Abschluss. Da die meisten Termine erst nach mehreren Kontakten entstehen, ist die Cadence der Hebel, der aus denselben Leads spürbar mehr Termine holt. Wenn Sie eine wirksame Outbound-Sequenz aufsetzen oder Ihre Akquise auslagern möchten, unterstützen wir Sie in der Leadgenerierung und der Kaltakquise.